SK Tauchsicherheit & Rettung am 30.+31.10.2010
Am letzten Oktoberwochenende des Jahres fand der SK “Tauchsicherheit & Rettung” auf Gut Friedrichshof bei Kiel statt. Insgesamt 17 Teilnehmer aus Schleswig-Holstein und Hamburg waren angetreten, um sich zwei Tage lang mit diesem wichtigen Thema des Tauchens auseinanderzusetzen. Entsprechend hochkarätig war auch die Auswahl der Referenten, die Dirk Sellmer (TL2) als Seminarleiter für die Veranstaltung gewinnen konnte.
Der erste Theorieblock wurde von Martin Steiner (TL3) eingeleitet. Gerade in Ausrüstungsfragen ist weniger manchmal mehr. So haben die richtige Handhabung und Konfiguration der Ausrüstung erheblichen Einfluss auf die Tauchsicherheit. Das richtige Setzen einer Deko-Boje, Ventilmanagement im Vereisungfall oder auch der Einsatz von Lampen sind unmittelbar sicherheitsrelevant. Der routinierte Umgang mit der Ausrüstung muss ständig geübt werden, um im Bedarfsfalle ohne viel Überlegen abzulaufen. Auch die korrekte Bleimenge sollte regelmäßig ermittelt und angepasst werden. Falsche Bleimengen führen schnell zu körperlicher Erschöpfung, Essoufflement oder auch Problemen bei Trim & Tarierung.
In der Folge ging Andreas Czerniak (TL2) auf die Unfallprävention durch vernünftige Tauchgangsplanung ein. Im Rahmen der Vorbereitung eines Tauchgangs sind Tauchplatzwahl und Zusammenstellung der Buddy-Teams den jeweiligen Voraussetzungen anzupassen. Dazu gehören Erfahrungen und Können der Taucher, genauso wie Umweltbedingungen, Wetterverhältnisse und einige weitere Faktoren. Dabei sollen alle Teilnehmer im Rahmen eines Briefings bündig aber ausreichend informiert werden. Gerade in “eingespielten Teams” kommt es häufiger dazu, dass wichtige Informationen zu den Personen, zum Gewässer, zum geplanten Tauchgang, zur Ausrüstung, aber insbesondere auch zu möglichen Notfallmaßnahmen ausgelassen werden. Um solcher “Fahrlässigkeit” entgegen zu wirken, empfiehlt sich die Einführung einer gewissen Briefing-Routine - auch bei Tauchgängen mit bekannten Partnern in bekannten Tauchgewässern.
Für den Ernstfall muss jeder erfahrene Taucher Kenntnisse über Rettungsmaßnahmen und Erste Hilfe haben. Die typische Rettungskette umfasst dabei den Notfallplan, die Rettung, Sofortmaßnahmen inklusive Notruf und Erste Hilfe bis hin zum Transport eines verunfallten Tauchers in die Klinik. Die Arbeit der weiterbehandelnden Ärzte soll dabei vor allem durch den frühzeitigen Hinweis auf den Verdacht auf Tauchunfall, sowie ein sinnvolles Unfallprotokoll unterstützt werden. Die Kontaktaufnahme zur VDST-Notfallhotline unter +49 1805 - 660 560 ist auf jeden Fall sinnvoll.
Als aktiver betreuender Arzt der VDST-Notfallhotline ging Johannes Meyne auf tauchspezifische Unfälle und Erkrankungen, sowie Maßnahmen bei Tauchunfällen, insbesondere die Herz-Lungen-Wiederbelebung und den Einsatz von Automatischen Externen Defebrillatoren, sogenannten AEDs ein.
Wie grau jegliche Theorie ist, wurde allen Teilnehmern am Samstag Nachmittag im Freiwasser in Strande klar. Nach der praktischen Demonstration von Rettungs- und Transportgriffen und -Techniken erklärte Michael Birkenbeul (TL3) das Retten eines bewusstlosen Tauchers in ein Schlauchboot. Ausgestattet mit ABC-Ausrüstung und Neoprenanzug bzw. Trockentauchanzug ging es dann für alle Teilnehmer an die praktische Umsetzung. Zunächst musste ein “bewusstloser” Partner ca. 150 m an der Oberfläche zum Schlauchboot gezogen und dann in mehrfach ins Boot geholt werden. Danach wurde der Partner schiebend zum Strand transportiert und dann mittels korrekt ausgeführter Tragetechnik an den Strand verbracht. Am Strand waren Sofortmaßnahmen und Wiederbelebungstechnik korrekt anzuwenden. Der durch die anwesenden Tauchlehrer zusätzlich künstlich erzeugte Stress gepaart mit den Anstrengungen der Rettungsaktionen konnten allen einen guten Eindruck vermitteln, welch enorme Belastungen im Notfall auf den Einzelnen zukommen können.
Nach getanen Praxisübungen war allen der von Dirks Frau Kristina angebotene heiße Kakao ein willkommener Kraftspender.
Abgerundet wurde der erste Tag durch Michael Birkenbeuls Vortrag über Fallbeispiele zu tatsächlichen Tauchunfällen. Beim Tauchen passieren im Vergleich zu vielen anderen Tätigkeiten eigentlich relativ wenige Unfälle. Hinzu kommt, dass viele Unfälle durch gute Ausbildung und vernünftiges Handeln im Vorfeld vermeidbar sind.
Im Anschluss wurden HLW-Maßnahmen und der Einsatz des AED an Übungspuppen trainiert und außerdem unterschiedliche Sauerstoffsysteme für die stets sinnvolle Gabe von Sauerstoff bei Verdacht auf Tauchunfall vorgestellt, sowie auf deren spezifische Handhabung eingegangen.
Am Sonntag ging es dann endlich mit Preßluft unter die Wasseroberfläche. Innerhalb der vorher eingeteilten Gruppen und unter Anleitung der anwesenden Tauchlehrer wurde sowohl die Gruppenführung als auch der geschwindgkeitskontrollierte Notaufstieg mit einem verunfallten Taucher sowie das anschließende Abschleppen mit voller Ausrüstung geübt. Alle Gruppenmitglieder setzten zudem eine Deko-Boje in ca. 3m Tiefe und übten das An- und Ablegen der Ausrüstung im Wasser. Im abschließenden ausführlichen De-Briefing gab es Verbesserungshinweise und Tipps.
Die Teilnahme am Spezialkurs “Tauchsicherheit & Rettung” macht niemandem zum vollwertigen Rettungstaucher, aber der Kurs bietet wichtige Impulse und auch das notwendige Know-How, um Unfälle zukünftig besser vermeiden zu können, oder im Ernstfall richtig zu handeln. Letztlich besteht aber ein großer Unterschied zwischen Kennen und Können. Deshalb haben alle Ausbilder betont, dass sich der Kurs hauptsäc
hlich als Hilfestellung zum Üben versteht. Jeder Teilnehmer soll nach dem Kurs wissen, was man als fortgeschrittener Taucher beherrschen sollte und welche sicherheitsrelevanten Aspekte bei der Tauchgangsplanung zu beachten sind. Es liegt aber schließlich an jedem selbst, durch regelmäßiges Üben zu mehr Routine und Sicherheit zu gelangen. Auch das wiederholte Besuchen des SK “Tauchsicherheit & Rettung” ist jedem zu empfehlen.
Ich möchte an dieser Stelle allen Beteiligten für die großartige Organisation und Durchführung dieses Spezialkurses danken. Neben den oben genannten Ausbildern sind das vor allem Anja Walz (TL1) und Oliver Callies (TL1). Auch Kristina Sellmer gilt ganz besonderer Dank für die Organisation “von allem Drumherum”. Euer Engagement hat das Wochenende für alle Teilnehmenden spaßig und lehrreich gemacht!
Oliver Pfeiffer, UC Baltic, Flensburg


